Donnerstag, 29. Juli 2010

Erster Deutscher Computerspielpreis vergeben

Von: Sören | Erstellt am: 1. April 2009

Am gestrigen Abend wurde in der Münchener BMW-Welt der erste Deutsche Computerspielpreis verliehen. Insgesamt galt es 600.000 Euro an Preisgeld in zehn Kategorien zu vergeben.

Kein Preis für „Innovation“

Überraschend dabei: Die Jury war sich nicht zu schade den Preis für die Kategorie „Innovation“ nicht zu vergeben.
Der Jury-Vorsitzende Wolf-Dieter Ring gab zu verstehen, dass in Deutschland zwar viele innovative Spiele produziert werden, aber im vergangenen Jahr keine herausragende neue Innovation dabei war, die den mit 75.000 Euro dotierten Preis verdient hätte.

Gewinner des Abends: Das schwarze Auge – Drakensang

Als Gewinner des Abends durfte sich dann Radon Labs fühlen, die mit ihrem Spiel „Das schwarze Auge – Drakensang“ gleich zwei Preise gewannen. Das Spiel konnte sich in der Kategorie „Bestes Jugendspiel“ gegen die Konkurrenz durchsetzen und gewann anschließend noch den mit 150.000€ dotierten Hauptpreis „Bestes Deutsches Spiel“.

„Bestes Internationales Spiel“ zweimal vergeben

Ebenfalls überraschend ging die Verleihung in der Kategorie „Bestes Internationales Spiel“ über die Bühne. Hier gewannen gleich zwei Spiele: „Wii Fit“ von Nintendo und „Little Big Planet“ von Sony waren die Preisträger. Da es in dieser Kategorie kein Preisgeld zu vergeben gab fiel die Entscheidung der Jury wohl denkbar leicht.

Kategorie Preisträger
Bestes Deutsches Spiel
150.000€
Das schwarze Auge - Drakensang
Beste Innovation
75.000€
Night vergeben
Bestes Serious Game
75.000€
Tech Force
Bestes Jugendspiel
75.000€
Das schwarze Auge - Drakensang
Bestes Kinderspiel
75.000€
Fritz und Fertig
Bestes mobiles Spiel
50.000€
Crazy Machines
Bestes Browserspiel
50.000€
Ikariam
Bestes Konzept aus Studentenwettbewerb
35.000€
Snatch’Em (FHTW, Berlin)
Bestes Konzept aus Schülerwettbewerb
15.000€
Monkeys World Wide Jungle (Elsa-Brandström-Gymnasium, Oberhausen)
Bestes internationales Spiel
Sonderpreis ohne Preisgeld
Wii Fit, Little Big Planet

Videospiel Branche entdeckt das Cloud Gaming

Von: Sören | Erstellt am: 31. März 2009

Es war sicherlich eine der größten Überraschungen, die die diesjährige Games Developer Conference (GDC) zu bieten hatte. Steve Perlman (Gründer von WebTV) und Mike McGarvey (Ex-Geschäftsführer EIDOS) präsentierten in San Francisco den Service OnLive. OnLive soll es Videospiel Fans ermöglichen die neuesten Videospiele im Browser oder mithilfe einer Set-Top Box auf dem heimischen Fernseher zu spielen. Das Cloud Gaming scheint gebohren.

Xbox 360 und Playstation 3 on demand

Neben Spielen für den PC - für die das Games On Demand Business bereits in Form von Steam oder Gamesload existiert - wird OnLive auch Konsolenspiele auf PlayStation 3 und Xbox 360 anbieten. Der User braucht sich also keine laute Xbox 360 in sein Wohnzimmer stellen sondern schließt einfach die OnLive Set-Top Box an seinen Fernseher an, verbindet die Box mit dem Internet und schon kann er die neusten Next-Gen Videospiele ohne eigene Hardware spielen.

Die Technik dahinter folgt dem simplen Konzept des Cloud Computing. In einem Rechenzentrum, das auf niedrige Verzögerungszeiten ausgerichtet ist, stehen Tausende von High-End Servern, auf denen die zur Verfügung stehenden Spiele installiert sind.  Via OnLive wird nun das Bild des Servers zum User übertragen und seine Eingabe via Maus, Tastatur oder Gamepad wird wieder an den Server zurück geliefert.

Herausforderung Reaktionszeit

Die größte Herausforderung bei einem solchen Projekt ist natürlich die einwandfreie Verbindung zwischen User und Server. OnLive hat hierfür ein eigenes Kompressionsverfahren entwickelt und teilweise bereits patentiert. Für ein Highend Spiel in SD Auflösung (480p - 720×480 Pixel) soll bereits eine 1MBit Leitung genügen, das wahre HD Vergnügen (720p - 1280×720 Pixel) setzt dann bei 5MBit Leitungen ein.

OnLive befindet sich bereits seit sieben Jahren in Entwicklung und befindet sich aktuell im geschlossenen Beta Test. Bereits diesen Winter soll das Projekt öffentlich zugängig sein und mit 16 Spielen starten. Die Publisher Activision, Ubisoft, EA und Take-Two sollen sich bereits mit OnLive über die Nutzung ihrer Spiele geeinigt haben.

Der zweite im Rennen: Gaikai

Weniger spektakulär aber nicht minder aufsehenerregend kündigte auch Dave Perry seinen Games On Demand Service Gaikai an. Eigentlich war die Präsentation erst für die diesjährige E3 im Juni in Los Angeles geplant, angesichts der OnLive Präsentation sah sich Perry wohl genötigt die Öffentlichkeit früher über seine Pläne zu informieren.

Perry geht noch einen Schritt weiter als OnLive und kündigte an, dass man für Gaikai nur einen Web Browser sowie das Flash Plugin benötigt. Für die Nutzung von OnLive benötigt man weiterhin ein eigenes, ca 1MB großes, Plugin.

Sony sichert sich „PS Cloud”

Während man von Microsoft noch nichts zu dem Thema Cloud Gaming vernommen hat scheint man sich bei Konkurrent Sony bereits mit der neuen Situation beschäftigt zu haben. Unter dem Namen PS Cloud wurde kurz vor der GDC ein Trademark beantragt, das den Zugriff auf Entertainment Inhalte wie Videospiele via Internet ermöglichen soll. Natürlich kann man hier nur mutmaßen, was die Jungs in Tokio im Schilde führen.

Zukunftsaussichten

Man darf gespannt sein, ob sich Microsoft und Sony von OnLive die Butter vom Brot nehmen lassen und die Nutzung ihrer Hardware in Rechenzentren zulassen werden. Auch angesichts der technischen Herausforderungen darf man gespannt sein, wie sich OnLive und Gaikai schlagen werden. Das größte Problem dürfte in der Kompression und Reaktionszeit liegen.

Insgesamt dürfte Cloud Gaming früher oder später Wirklichkeit werden und parallel zum klassischen Verkauf von Videospielen und Konsolen in Geschäften existieren. Bis dieses Szenario Wirklichkeit geworden ist und mehr als nur eine kleine Nische in der Videospielbranche darstellt dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen.